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Gib mir die Welt und 5%

Jürgen fühlte sich großartig als er seine Rede für den nächsten Tag vorbereitete. Sein Traum von Prestige und Macht wurde endlich Wirklichkeit. Sein Beruf als Goldschmied stelle ihm nicht länger zufrieden, er brauchte eine Herausforderung, mehr Aufregung in seinem Leben und endlich wurde sein Plan Realität. Seit Generationen war das tauschen von Waren die gängige Art des Handels. Eine Familie lebte davon, sich auf bestimmte Waren zu spezialisieren und den eventuellen Überschuß wiederum als Gewinn mit Waren eines anderen Händlers auszutauschen.

Der Marktplatz war laut und staubig und die Marktschreier in ihrem Element. Dem Volk gefiel das Treiben, es war immer interessant und gab viel neues zu hören. In letzter Zeit allerdings nahm der Umtrieb zu und Streitigkeiten wurden zur Regel­ ein neues System war nötig! In jeder Gemeinde gab es einen Bürgerrat, der dafür sorgte, daß den Bürgern Selbstverwaltung und Freiheit gewährleistet war. Niemand konnte zu etwas gezwungen werden was gegen den eigenen Willen war. Das allein war die Pflicht des Bürgerrates und der Bürgermeister wurde demokratisch gewählt.

Dennoch war der Bürgermeister manchen Situationen nicht gewachsen, insbesondere wenn es darum ging bei Uneinigkeiten auf dem Marktplatz festzulegen ob ein Messer einem oder zwei Körben Mais entsprach, oder ob eine Kuh mehr Wert war als ein Wagen Jürgen hatte nun angekündigt, daß er die Lösung für diese Probleme hätte und am nächsten Tag der Öffentlichkeit vorstellen würde.

Tags darauf erläuterte Jürgen vor einer großen Menschenmenge sein neues System, das er „ Geld“ nannte. Es klang logisch und die Leute wollten wissen wo zu beginnen sei. „Das Gold, aus dem ich Schmuck mache ist ein erstklassiges und wertvolles Metall, das nicht rostet und lange währt. Also werde ich aus Gold Münzen herstellen und nenne diese Goldtaler“. Ein Taler habe einen bestimmten Wert und „Geld“ als Mittel zum Tausch sei wesentlich praktischer als der Austausch von Waren als solchen.
Einer der Bürgermeister brachte zur Rede, daß es nicht zu schwierig sei, selbst Gold zu schürfen und damit Taler herzustellen. „Das wäre kriminell und muß auf jeden Fall unterbunden werden“, entgegnete Jürgen, nur die vom Bürgerrat zugelassenen Münzen sind erlaubt und werden zur Sicherheit mit einem Siegel versehen. Das klang fair, allerdings unterbrach der Kerzenmacher: „Ich habe Anrecht auf die meisten Taler, da jeder Bürger meine Kerzen braucht“. „Auf keinen Fall“, schrie einer der Bauern, „ohne mein Gemüse würden wir alle hungern ­ ich verdiene die meisten Taler“.

Jürgen ließ sie eine Weile streiten und machte dann folgenden Vorschlag: „ Da ihr euch nicht einigen könnt, schlage ich vor, jedem einzelnen so viele Taler zu leihen wie er will, unter der Voraussetzung, daß diese zurückgezahlt werden können. Da ich das Geld zur Verfügung stelle, habe ich das Recht auf eine Vergütung, und für jede 100 Taler bekomme ich 105 am Ende des Jahres zurück. Diese 5 Taler nenne ich Zins und sind mein Verdienst. Dies schien vernünftig und 5% hörte sich geringfügig an. Jürgen verlor keine Zeit und stellte die nächsten Tage und Nächte Münzen her.

In der folgenden Woche standen die Leute Schlange und liehen die ersten Taler nach der Inspektion des Bürgermeisters, anfangs nur ein paar wenige um das neue System auszuprobieren. Das neue Konzept „Geld“ funktionierte erstklassig und der Wert der Waren wurde „Preis“ genannt. Dieser wurde aufgrund des Aufwandes und der Zeit festgelegt, die in Form von Arbeit erleistet wurde.

In einer der Städte des Landes lebte Alban, der einzige Uhrmacher dort und die Kundschaft war bereit einen recht hohen Preis für seine Uhren zu bezahlen. Dann öffnete ein neuer Uhrmacher einen Laden und Alban war gezwungen seine Preise zu senken um nicht alle seine Kunden an die neue, billigere Konkurrenz zu verlieren.

Dies war freier Wettbewerb im ursprünglichen Sinne und entwickelte sich in allen denkbaren Brachen. Hindernisse im Sinne von Tarifen gab es nicht, genausowenig Schutz vor bankrott. Der Lebensstandard stieg und ein jeder wunderte sich, wie ein Leben vor „Geld" möglich war. Am Ende des Jahres suchte Jürgen diejenigen Leute auf, die Geld von ihm geliehen hatten. Manche hatten mehr als sie aufgenommen hatten, was zugleich bedeutete, daß andere weniger hatten, da es sich um eine bestimmte Summe handelte, die zirkulierte. Diejenigen, die mehr besaßen, zahlten die die hundert Taler plus 5 zurück, mußten aber dennoch neues Geld leihen weiter im neuen Geschäft zu bleiben. Die anderen jedoch merkten zum ersten Mal, daß sie Schulden hatten. Jürgen nahm Hypotheken über Teile ihrer Besitztümer auf bevor er neues Geld ausgab und jeder suchte nach den fehlenden fünf Talern, die so schwer zu finden waren. Niemandem wurde klar, daß das Land als ganzes niemals wieder unverschuldet sein konnte bis alle Taler zurückgezahlt waren und selbst in diesem Falle fehlten die fünf Taler pro geliehenen hundert, die niemals existierten. Nur Jürgen wußte, daß diese Summe niemals existierte und folglich die Rechnung nicht für jeden aufgehen konnte. Sicherlich hatte er die einen oder anderen Taler für seine eigenen Zwecke verwendet, niemals allerdings konnte er 5% der gesamten Wirtschaft als Einzelperson verbrauchen, und schließlich war er nur ein Goldschmied.

In seinem Atelier hatte er einen Tresor und manche Kunden trauten ihm gegen ein geringes Entgelt ihre Münzen an, wofür sie eine Quittung erhielten. Bei manchen Einkäufen war es einfach praktisch anstelle von Münzen direkt mit Jürgens Quittungen zu bezahlen und diese Methode setzte sich ohne Einwand durch. Jürgen stellte fest, daß es recht unwahrscheinlich war, daß auch nur einer seiner Kunden plötzlich alle Münzen zurückforderte.

Also, dachte er sich, warum mehr Münzen herstellen wenn sie nicht gebraucht werden und er fing an, die existierenden Münzen anstelle neuer auszuleihen, anfangs mit großer Vorsicht und nach und nach mit größtem Selbstverständnis. Er sagte sich: In der Tat ist es nicht mein Gold ­ aber es ist in meinem Besitz und das ist was zählt. Freunde, Bekannte sowie Unbekannte, selbst Feinde brauchten Geld für ihre Geschäfte und solange sie Sicherheiten vorweisen konnten war dem Verleih von Geld keine Grenze gesetzt. Jürgen schrieb einfach Quittungen aus obwohl diese überzeit ein Vielfaches des Wertes seiner Münzen im Tresor überschritten. Solange niemand sein Geld zurückverlangte war dies kein Problem und er führte genauestens Buch. Der Geldverleih war in der Tat ein lukratives Geschäft. Jürgens sozialer Status stieg so schnell wie sein Wohlstand und jedes Wort und jede Phrase was finanzielle Angelegenheiten anbetraf galt als von fast prophetischer Natur.

Goldschmiede aus anderen Teilen des Landes waren sehr interessiert and seinem Erfolg und Jürgen berief ein Treffen der Goldschmiede ein, das unter Geheimhaltung stattzufinden hatte. Schließlich durfte der Schwindel nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Nach dem Treffen dieser verschwiegenen Allianz begannen die Goldschmiede in allen Teilen des Landes nach Jürgens Anweisungen Geld zu verleihen.
Mittlerweile waren Jürgens Quittungen genauso akzeptiert wie Goldmünzen und wurden in seinem Tresor unter Verschluß gehalten. Wenn ein Händler einem anderen einen bestimmten Betrag bezahlen wollte korrigierte Jürgen lediglich die Nummern in seinem Buch und das Geld wechselte den Besitzer. Der Austausch von Quittungen etablierte sich und man gab diesen die Bezeichnung „Scheck“. In einem weiteren Treffen mit den Goldschmieden stellte Jürgen eine neue Idee vor, die in der Tat bald danach den Bürgermeistern und Regierungsbeamten unterbreitet wurde: Jürgen alarmierte, daß gefälschte Schecks aufgetaucht sind und bestürzt baten die Beamten um Jürgens Rat. Mein Vorschlag ist, unterbreitete Jürgen, daß die Regierung schwer zu fälschende Scheine druckt. Wir Goldschmiede tragen hierfür gerne die Kosten, uns erspart dies schließlich die Zeit für all das ausfüllen der Quittungen.

Dies schien einleuchtend und die Beamten stimmten ohne Einwand zu. Außerdem, fuhr Jürgen fort, würden bestimmte Individuen aus Gold heimlich Taler herstellen und folglich sollte jede Person die Gold findet verpflichtet werden, dieses bei den Behörden einzureichen, wobei selbstverständlich das dem Wert entsprechende Entgelt in Form von Münzen und Scheinen dafür ausgehändigt würde. Der Vorschlag wurde angenommen und in der Tat stellten sich die neuen Geldscheine als überaus handlich dar, dennoch wurden nach wie vor 90% aller Transaktionen „intern“ in Form von Schecks abgewickelt. Bisher verlangte Jürgen 3% dafür, Geld in seinem Tresor zu bewachen und zu verwalten. Der nächste Schritt in Jürgens Plan nun bestand darin, frei verfügbares Vermögen von außerhalb mit Hilfe von sogenanntem „Zins“ als Anlage in seinen Tresor zu locken.

Der Zinssatz betrug 3% und es wurde folglich angenommen, daß Jürgen das Geld für 5% weiterverlieh, mit 2% Profit seinerseits, was akzeptabel schien und zudem besser war als die 3% die er bisher für das bewachen des Geldes forderte. Das Vermögen das Jürgen nun verwaltete wuchs schnell und er war in der Lage das drei-, vier- manchmal sogar das acht- oder neunfache der Einlagen weiterzuverleihen. Vorsicht war geboten, denn ein Kunde aus zehn verlangte gelegentlich die eingelegte Summe in Form von Scheinen und Münzen. Diese Praxis stellte sich als überaus lukrativ dar, da Jürgen von den 900 EUR Buchvermögen die er teilweise aus 100 EUR eigentlicher Einlagen ableitete 45 EUR Zins erwirtschaften konnte, was reell 42% Zins entspricht und nicht 2% wie allgemein angenommen werden sollte. Die anderen Goldschmiede folgten in dieser Manier und Geld wurde durch den Füllfederhalter erschaffen, zuzüglich Zins. In der Tat war der Druck von Geld in Regierungshand und das Volk unter dem Eindruck, daß Jürgen und die Goldschmiede lediglich die Verwalter dieses Gutes waren. Eines Tages hinterfragte ein schlauer Denker das System und konfrontierte Jürgen: Für 100 EUR werden 105 EUR in Rückzahlung verlangt, da diese fünf fehlenden EUR nicht existieren, kann die Rechnung nicht aufgehen. Ein Bauer kultiviert Korn, ein Industrieller produziert Waren, du allerdings bist der einzige der Geld verwaltet. Angenommen es gäbe nur zwei Geschäftsmänner im Land die die gesamte Wirtschaft kontrollierten und diese würden 90% allen Geldes in Form von betriebswirtschaftlichen Ausgaben und Löhnen auszahlen und die restlichen 10% als Gewinn verzeichnen, dann würden von den ursprünglichen 200% Gesamtkapital nach wie vor 10% fehlen, da die entsprechende Summe niemals existiert hat. Um dich allerdings zu bezahlen, müssen wir unsere Waren für EUR 210 anstelle EUR 200 verkaufen. Falls einem der zwei dieses gelingt, bedeutet dies EUR 105 an Umsatz für diesen, und in Folge nur EUR 95 für den anderen. Zudem kann nicht die gesamte Warenmenge umgesetzt werden, da schlicht nicht genug Geld verfügbar ist. Das System kann nur funktionieren, wenn die fünf EUR Zins pro 100 EUR geliehenen Geldes mit in die Gesamtrechnung mitaufgenommen werden. Jürgen hörte aufmerksam zu und erwiderte: Wirtschafts- und Finanzwissenschaften sind wesentlich komplexer um derart vereinfacht abgehandelt und dargestellt zu werden, ein Verständnis dieser Themen verlangt ausgiebiges und vertieftes Fachwissen. Ich schlage vor die betriebswirtschaftliche Effizienz zu steigern, die Produktion anzukurbeln sowie Ausgaben zu senken. Ich stelle mich als Berater in diesen Dingen gerne zur Verfügung.

Jürgen galt als der Experte, Einwände waren zwecklos, schließlich boomte die Wirtschaft, das Land verzeichnete einen enormen Aufschwung. Um die Zinsraten zu vertuschen waren die Händler gezwungen die Preise zu steigern. Die Angestellten und Arbeiter beklagten sich über zu niedere Löhne, die Arbeitgeber ihrerseits rechtfertigten diese mit den Gefahren potentiellen Bankrotts. Bauern waren unfairen Absatzpreisen ausgesetzt während die Kunden über ungerechtfertigt hohe Preise klagten. Schließlich kam es zu Streiks, bis dahin ein unbekanntes Phänomen. Teile der Bevölkerung verarmten, bishin so schlimm, daß selbst Freunde und Verwandte nicht mehr im Stande waren auszuhelfen.

Der ursprüngliche Reichtum und Wohlstand schien vergessen, fruchtbare Böden, uralte Wälder, riesige Viehherden und mineralhaltige Erde. Alles drehte sich um Geld und dieses wiederum schien immer knapp. Niemand hinterfragte das System als solches, schien es doch als von den Volksvertretern verwaltet! Einige wenige waren in der Lage ihren Überschuß zusammenzulegen und Verleih- und Finanzinstitute zu gründen wobei 6% Zins angeboten wurden, was besser war als Jürgens 3%, allerdings konnte nur Geld verliehen werden das in der Tat deren Eigentum war ungleich Jürgens Methode Geld per Füllfederhalter zu erschaffen. Diese Finanzinstitute irritierten Jürgen und seine Kollegen und innerhalb kürzester Zeit wurden diese aufgekauft und somit unter Kontrolle gebracht. Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechterte sich und Arbeiter bemerkten die unproportional hohen Einkommen ihrer Arbeitgeber. Diese ihrerseits hielten ihre Arbeitskräfte für faul und ineffizient. Jeder begann seinen nächsten zu beschuldigen. Die Gouverneure hatten keine Antwort und die akuten Probleme der aufkommenden Armut zu lösen schien ohnehin wesentlich wichtiger. Sozialprogramme wurden eingerichtet und per Gesetz wurde ein jeder Bürger verpflichtet Beiträge zu leisten. Dies wiederum erzürnte die Bürgerschaft, da Abgaben gegen des Willen des Einzelnen klarem Diebstahl gleichkamen.

Diese Sozialabgaben schienen zumindest im Ansatz Abhilfe zu schaffen, bald allerdings wuchs die Abhängigkeit und die damit verbundene Regierungsbürokratie. Die meisten der Gouverneure waren integre Regierungsvertreter mit guten Absichten. Um die Bürgerschaft nicht weiter zu belasten, begannen die Gouverneure Jürgen zu beleihen ohne sich im geringsten klar zu sein wie diese Anleihen zurückgezahlt werden sollten. Eltern waren nicht mehr in der Lage die Lehrer für ihre eigenen Kinder zu bezahlen, genausowenig wie den Hausarzt oder den Busfahrer. Schritt für Schritt war die Regierung gezwungen diese Funktionen zu übernehmen und zu verwalten. Lehrer, Ärzte und viele andere Berufsgruppen wurden zu Beamten, was der ursprünglichen Passion und Berufung nicht zugute kam. Ein jeder wurde Teil dieser gigantischen Maschinerie. Niemand war interessiert Initiative zu ergreifen, berufliche Erfolgserlebnisse wurden ignoriert, Einkommen waren gleichgeschaltet und eine Beförderung stand nur dann an wenn ein Vorgesetzter starb. In solcher Lage beschlossen die Gouverneure Jürgen um Rat zu fragen, da dieser offensichtlich verstand Geldangelegenheiten richtig zu verwalten. Seiner Meinung zufolge war das Volk als solches nicht in der Lage mit Geld umzugehen und folglich war ein Kontrollsystem von Regierungsseite vonnöten. Grundlage sollte selbstverständlich sein, daß alle Menschen gleich sind und in diesem Sinne ein jeder aufgrund seines Besitzes besteuert werden sollte. Selbstverständlich sollten Schulen und Krankenhäuser ausgeschlossen werden... Nach seiner Rede erwähne er beiläufig, daß gewisse Gläubiger doch bitte ihre persönlich vereinbarte Zahlung abzustatten hätten und daß im Falle von Zahlungsunfähigkeit zumindest der fällige Zinsbetrag zu leisten sei. Niemand hinterfragte Jürgens Philosophie und eine Einkommenssteuer wurde eingerichtet. Es galt die Devise: Steuern zahlen oder Gefängnis. Wiederum waren die Händler gezwungen die Preise anzuheben. Arbeiter verlangten höhere Löhne, Arbeitgeber ihrerseits meldeten den Bankrott an oder ersetzten Teile ihrer Arbeiterschaft mit Maschinen. Die Arbeitslosigkeit stieg und die Regierung war gezwungen weitere Sozialprogramme zu verabschieden.

Tarife und andere Schutzmaßnahmen wurden eingesetzt um bestimmte Industriezweige zu schützen und so mancher wunderte sich ob der Sinn der Produktion darin lag Waren herzustellen oder lediglich das Volk zu beschäftigen. Die Lage verschlechterte sich und es wurden die verschiedensten Maßnahmen erprobt die eskalierenden Preise unter Kontrolle zu halten. Weitere Formen der Besteuerung wurden eingeführt und bald waren 50 verschiedene Steuern auf einem Laib Brot, angefangen bei der Grundsteuer des Bauern bis zur Mehrwertsteuer der einkaufenden Hausfrau. „Expertengremien“ wurden zusammengestellt um im Auftrag der Regierung die Lage unter Kontrolle zu bringen, was in nichts anderem als Restrukturierung und neuen Formen der Besteuerung resultierte. Jürgen verlangte seinen Zins und ein immer größerer Anteil all dieser Steuern wurde verwendet um diese Zahlung aufzubringen.

Politische Parteien bildeten sich von denen eine jede einen anderen Ansatz zur Lösung der Probleme versprach. Es wurden alle denkbaren Aspekte abgehandelt, angefangen von den Unterschieden in Persönlichkeiten, Idealismus und Ideologie nur der Kern des Geschehens wurde übergangen. In einer Stadt schließlich stellte sich der fällige Zinsbetrag als größer heraus als der Betrag des erwirtschafteten Einkommens und Zins wurde auf den unbezahlten Zins erhoben. Schritt für Schritt brachte Jürgen so den wahren Wert des Landes unter seine Kontrolle. Sein Ziel war es einen jeden Bürger unter komplette Kontrolle zu bringen. Systemgegner wurden durch finanziellen Druck in Zaum gehalten oder wurden als unrealistisch und lächerlich dargestellt. Als Mittel dazu dienten die inzwischen von Jürgen aufgekauften Fernseh- und Radiostationen sowie die von ihm kontrollierten Zeitungen und Verlage. Und trotz der ursprünglich guten Absichten der Journalisten wurde niemandem klar, daß grundsätzlich nur die Symptome der Probleme abgehandelt wurden, nie jedoch die Ursache der Misere in Frage gestellt wurde.

Es gab mehrere Zeitschriften die linksorientiert waren, genauso wie rechtsgerichtete Zeitungen herausgegeben wurden. Für den Mann der Mitte war gleichermaßen gesorgt und solange niemand das System als solches hinterfragte waren hier keine Grenzen gesetzt. Das ganze Land schuldete Jürgen nun Geld und mit Hilfe der Medien konnte er einem jedem Glauben machen was er wollte. Was nun war von Interesse für die Reichen nachdem diese allen materiellen Verlockungen verkostet hatten? Macht war die Antwort, Macht über andere. Die Idealisten also hatte Jürgen in den Medien platziert, die wahre Kontrolle dagegen ging von den Mächtigen der Politik aus. Die meisten Goldschmiede waren hier zu finden, da die Kontrolle dar Massen den ultimativen Kick darstellte. Ein extrem arrogantes Klassenbewußtsein kristallisierte sich heraus und die Mächtigen waren überzeugt, daß die Masse Kontrolle brauchte um zu funktionieren. Zu herrschen wiederum maßte sich diese Klasse als Recht der höheren Geburt an. Landesübergreifend waren nun zahlreiche Geldverleihinstitute zu finden und obgleich diese scheinbar miteinander konkurrierten arbeiteten diese in Wirklichkeit eng zusammen. Mit der Absegnung des Gouverneurs schließlich wurde eine Zentralbank eingerichtet. Die Einlagen hierfür stellten Anleihen dar, die durch reelles Geld gedeckt wurden, daß sich in den einzelnen Sparkassen befand. Dem Anschein nach handelte es sich um eine Regierungsinstitution, wobei in Realität kein einziger Volksvertreter jemals Zugang zu den Kontrollgremien hatte.

Die Regierung ihrerseits mußte nun nicht mehr Geld direkt von Jürgen aufnehmen sondern konnte sich an die Zentralbank wenden wobei als Sicherheit für die Kredite die zukünftigen Zinseinnahmen galten. Dies war in Einklang mit Jürgens Plan um abzulenken und dennoch im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Seine Devise lautete: Ich halte mich komplett aus der Gesetzgebung des Landes heraus solange ich als Berater in Finanzangelegenheiten herangezogen werde. Es war einerlei, welche Partei regierte, da Jürgen den Lebensfluß des Volkes kontrollierte, das Geld. Schließlich kam Jürgen seinem Endziel nahe. 10% allen Geldes war nach wie vor in Form von Münzen und Scheinen im Umlauf, was den einzelnen Individuen eine gewisse Freiheit und Kontrolle über ihr eigenes Leben gab.

Um Diebstahl und Verlust entgegenzukommen schlug Jürgen vor eine kleine Plastikkarte für jeden Einzelnen auszustellen mit Identifikationsnummer, Name und Photo. Mit dieser Karte konnte bezahlt werden und die verfügbare Geldmenge des Individuums konnte über einen Zentralcomputer abgerufen werden. Für den Einzelkunden war die attraktiv, da bei der Rückzahlung am Monatsende kein Zins anfiel, die Geschäftsleute dagegen hatten wesentlich höhere Ausgaben die einen längeren Zeitraum zur Abzahlung verlangten und die 1.5% anfallenden Zinses pro Monat wurden so zu 18% Jahreszins. Diese 18% wiederum wurden in den Preis der Endprodukte einberechnet und an den Kunden weitergegeben obgleich diese Summe an erster Stelle niemals existierte. Die Geschäftsleute mußten 118 EUR pro 100 geliehenen Euro rückerstatten, Geld das nie im Umlauf war! Jürgen seinerseits genoß Prestige und höchsten gesellschaftlichen Rang. Kleine Unternehmen meldeten nun reihenweise bankrott an und spezielle Lizenzen wurden gesetzlich eingerichtet die es den verbleibende Firmen schwer machten unabhängig weiterzuexistieren. Jürgen selbst kontrollierte alle Großunternehmen und somit deren Zulieferer unter deren Druck schlußendlich selbst der letzte unabhängige Schlosser, Elektriker und Bäcker zu weichen hatte. Jürgen plädierte nun für eine komplette Abschaffung von Münzen und Papiergeld um ganz den Weg für seine Plastikkarte zu ebnen. Im Falle des Verlustes sollte einem jedem eine Identifikationsnummer in die Hand tätowiert werden die unter einem speziellen Licht gelesen und an einen Computer weitergeleitet werden konnte. Dieser wiederum war ein einen Zentralcomputer gekoppelt in dem alle Daten eines jeden Individuums gespeichert wurden. Jürgen hatte nun die endgültige Kontrolle über jeden.

Quelle: www.relfe.com / peaceproject.de Copyright ©: Larry Hannigan 1971, Australia Jeder der die Nachricht erkannt hat, wird angehalten diese freizügig zu verbreiten!"


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